Das Leben ohne den Zins

Die Zeit wo Guthaben auf Bankkonten noch gute Zinsen abwarfen ist laut Experten auch in Zukunft nur noch Wunschdenken. Die EZB (Europäische Zentralbank) möchte ihre Niedrigzinspolitik beibehalten weil eine Deflation befürchtet wird. Der (Klein) – Sparer weiss nicht so recht wie er sein Geld anlegen soll um mindestens einen Werterhalt zu sichern, von Geldvermehrung kann nicht mehr gesprochen werden. Wird über Geld und Zinsen gesprochen, kann dies nur noch in der Vergangenheitsform sein, denn seit Jahren werden für Bankguthaben keine oder so gut wie keine Zinsen mehr bezahlt. Alles was mal ganz klar geregelt war und gelehrt wurde, sparen und mit den Zinsen sein Geld vermehren hat heutzutage keine Berechtigung mehr.
Wie die Zukunft aussehen wird, darüber sind sich auch Fachleute und sogenannte Finanzexperten überhaupt nicht einig. Tatsache ist, dass diese Phase der Tiefstzinspolitik schon seit Jahren anhält, viel länger wie ursprünglich beabsichtigt und was noch bedenklicher ist, kein Mensch weiss ob sich dies jemals wieder ändern wird. Diese Ausgangslage verunsichert natürlich den Sparer, viele schauen sich nach anderen Anlage- und Sparmöglichkeiten um. Auch die amerikanische Notenbank mit ihrer Sprecherin J. Yellen hat die Hoffnung auf bessere Zinsen in Zukunft deutlich abgeschwächt. Eine Leitzinserhöhung wurde unter gewissen Voraussetzungen zwar für möglich gehalten, aber nur wenn sich Arbeitsmarkt und die allgemeine Konjunktur weiter so positiv entwickel wie in der jüngeren Vergangenheit. Insgesamt müssen sich die Sparer darauf einstellen, das sich in der Niedrigzinspolitik auch langfristig nicht viel ändern dürfte, so die Aussage von Frau Yellen anlässlich ihrer Rede in Jackson Hole.
Niedrigzinsen bis hin zu Negativzinsen
Alleine schon die Vorstellung für seine Bankeinlagen bezahlen zu müssen, also einen Negativzins zu zahlen ist für „Otto-Normalsparer“ der absolute Horror, einfach kaum zu glauben und doch nicht ausgeschlossen, darüber wird in Finanzkreisen bereits ernsthaft diskutiert. Bei dieser Geldpolitik gibt es aber auch Gewinner, den Kredite gibt es auch zu Niedrigstzinsen oder wird gar noch belohnt, so zum Beispiel eine grosse Anzahl von Unternehmen und auch Staatskrediten die trotz negativer Bilanz von Anlegern grosszügige Investitionen bekommen. Damit werden alle Lehren zu Geld und deren Vermehrung und auch die Grundsätze zu Geldanlagen komplett über den Haufen geworfen. So war bis anhin der Grundsatz nur in gesunde Unternehmen zu investieren das erste Gebot. Bis vor nicht allzu langer Zeit war man der Ansicht, langfristige Anlagen sind sicher und werfen gute Profite ab, auch das scheint nicht nur überholt zu sein, man kann bereits von einer Bestrafung der Anleger sprechen, denn bei vielen Finanzprodukten wie Lebensversicherungen ist kaum noch eine Rendite zu erzielen. Bei Grosskunden ist der Negativzins bereits Tatsache geworden, sie müssen für ihre Bankeinlagen bereits Negativzinsen bezahlen. Aber auch Banken, die über zu viel Geld verfügen und überschüssiges Geld bei der EZB hinterlegen wollen, müssen dafür einen Negativzins von 0.4% in Kauf nehmen.
Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen und was soll damit erreicht werden?
Früher waren die Notenbanken für die Festlegung der der Zinssätze verantwortlich, diese orientierten sich an den realen Zahlen der Wirtschaft. Florierte die Wirtschaft wurden auch die Zinsen erhöht, sobald aber die Wirtschaft schwächelte wurden die Zinsen gesenkt um die Wirtschaft möglichst am Laufen zu erhalten. Mit der Finanzkrise im Jahre 2008 haben die Notenbanken ihr Engagement ständig weiter ausgebaut. Die EZB kauft zurzeit monatlich Staats- aber auch private Anleihen in der Höhe von 80 Mill. Euro um die Wirtschaft nicht einbrechen zu lassen. Ob dies jedoch der richtige Weg ist, da scheiden sich die Geister.