Das Leiden der Bausparkassen
Die Rechnung der Bausparkassen ist lange Zeit aufgegangen. Die Bausparer haben ein paar Jahre in den Bausparvertrag einbezahlt und dann für die Immobilie einen günstigen Kredit bekommen. Jetzt sind die Bausparkassen in einer schweren Krise und das ausgerechnet im Häuserboom. Bausparen hatte noch nie den Ruf besonders cool zu sein und dagegen kämpfen die Bausparkassen seit Jahren. Mit Fernsehwerbung versuchen sie junge Menschen von den Vorteilen des Bausparens überzeugen.
Ist Bausparen spießig?
Obwohl viele Menschen Bausparen für spießig halten, konnten die Bausparkassen ihre Produkte in Deutschland ihre Produkte immer problemlos an den Mann bringen. Wer ein Haus bauen wollte hat sich bei der Bank den größten Teil des benötigten Geldes als Baukredit geliehen. Eine bestimmte Summe war aber bereits mit einem Bausparvertrag angespart. Heute scheint das nicht mehr der Fall zu sein und darunter leiden die Bausparkassen enorm. In Deutschland wird gebaut, ausgebaut und renoviert wie schon lange nicht mehr, aber die Bausparkassen können von dem Immobilienboom kaum profitieren. Für viele Sparer ist die Flucht in Immobilien eine Möglichkeit der Niedrigzinsfalle zu entkommen. Die Bausparkassen machen damit aber kein Jahrhundertgeschäft und es könnte sein, dass die ersten bald das Opfer der Niedrigzinsphase werden.
Wann geraten die ersten Bausparkassen in Not?
Viele Bausparkassen schaffen im Moment noch ihre Geschäftszahlen gut aussehen zu lassen, aber trotzdem ist das Geschäftsmodell stark gefährdet. Die Bausparkasse Wüstenrot hat vergangene Woche ihre Zahlen vorgestellt. Die negativen Effekte aus den sinkenden Zinsen konnten teilweise durch einen Beteiligungsverkauf wettgemacht werden. Ein Fachmann prophezeit, dass die ersten Bausparkassen in essentielle Not geraten werden, falls die Niedrigzinsphase noch ein paar Jahre anhält. Dass es den Bausparkassen schon jetzt nicht mehr richtig gut geht ist nicht zu übersehen. Der Schwäbisch Hall, die größte Bausparkasse Deutschlands, geht es noch relativ gut, aber als die Jahresergebnisse vorgestellt wurden teilte der Vorstandschef Richard Klein mit, dass die Kosten reduziert und Stellen gestrichen werden.
Ältere Bausparverträge werden gekündigt
Die Probleme der Branche hat ein Teil der Bausparer unmittelbar mitbekommen. So haben einige Bausparkassen ältere Bausparverträge mit guter Verzinsung zu kündigen. In Bausparverträgen aus den neunziger Jahren waren teilweise Zinsen über 3,5 Prozent vereinbart. Die Kündigung durch die Bausparkasse war bei diesen alten Verträgen weniger problematisch, wenn bereits 100 Prozent der Bausparsumme angespart waren. Bei Verträgen bei denen die volle Bausparsumme noch nicht erreicht, die aber seit über 10 Jahren zuteilungsreif sind ist eine Kündigung strittig. Die Sparer könnten ein Bauspardarlehen in Anspruch nehmen, machen es aber nicht. Einige Bausparkassen werten das als Hinweis dafür, dass die Sparer den Bausparvertrag als Kapitalanlage missbrauchen und sehen darin das Recht die Kündigung auszusprechen.
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